Membranumbau durch ESCRT-III-Proteine
WI SSENSCHA F T
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Membranbiologie
Membranumbau durch
ESCRT-III-Proteine
JOACHIM MOSER VON FILSECK
BIOCHEMIEZENTRUM DER UNIVERSITÄT HEIDELBERG (BZH)
To maintain their function, cellular membranes require membrane
remodelling, mediated by protein machineries like the ESCRT-III that
deforms and breaks membranes in different cellular functions. Its
mechanism of function is still unknown. However, recent findings on
the ESCRT-IIIs’ structural and dynamic features, such as their ability to
alter their shape, membrane-binding and mechanical properties, allow
formulating interesting new hypotheses on how they can remodel
membranes.
DOI: 10.1007/s12268-022-1774-x
© Der Autor 2022
ó Jede Zelle ist von einer Zellmembran
umgeben, die aus einer Lipiddoppelschicht
besteht und die das Zellinnere von der Umgebung trennt. In eukaryotischen Zellen gibt es
außerdem auch Lipidmembranen, die die
intrazellulären Kompartimente (Organelle)
umgeben und voneinander abgrenzen. So
kann für jede zelluläre Funktion das optimale Umfeld aufrechterhalten werden, sei es im
Cytosol oder in den entsprechenden Kompartimenten. Allerdings müssen diese Membranen für ihre Funktion umgebaut werden,
etwa bei der Zell- und Organellteilung oder
zur Bildung von Vesikeln im sekretorischen
oder endoyztischen Weg. Diese Membranumbauten umfassen das Verformen, das Verschmelzen und das Abtrennen von zellulären
Membranen und werden von unterschiedlichen Protein-Maschinen von innen oder von
außen durchgeführt (Abb. 1A). Dabei ist
wichtig, dass während des Umbaus die Membranen weitestgehend intakt bleiben, um
˘ Abb. 1: Membranumbau durch ESCRT-IIIProteine. A, ESCRT-III schneiden zelluläre
Membranen aus dem Cytosol, entweder in ein
Organell (links) oder ins Cytosol (rechts) hinein.
B, Dafür müssen die ESCRT-III-Proteine von
ihrer inaktiven Form (links) in ihre aktive Form
(rechts) überführt werden. C, kryoelektronenmikroskopische Aufnahmen ringförmiger,
spiralförmiger und helikaler ESCRT-III-Polymere.
BIOspektrum | 04.22 | 28. Jahrgang
A
B
C
eine Durchmischung zwischen Innen und
Außen zu minimieren. Da Membranen fluide
sind, ist eine direkt Kraftübertragung von
den Protein-Maschinen auf sie erschwert.
Diverse (neue) Funktionen für eine
urtümliche Membranschere
Eine der Protein-Maschinen, die solche
Membranumbauten durchführen, sind die
endosomal sorting complex required for
transport(ESCRT)-III-Proteine. Sie binden an
zelluläre Membranen und verformen und
trennen diese in diversen zellulären Zusammenhängen in Eukaryoten:
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W I S S EN S CH AFT
Zellbiologie, Biochemie, Biophysik und
Strukturbiologie einen Einblick in wichtige
Aspekte.
Proteinstruktur als Schlüssel zum
Funktionsmechanismus
˚ Abb. 2: Rekonstitutionen des Membranumbaus. Wird die ESCRT-III-Aktivität in
vitro mit rekombinanten Proteinen und
künstlichen Lipidmembranen nachgestellt,
so lassen sich wichtige Zwischenschritte
isolieren, die ein tieferes Verständnis der
Dynamik der Vorgänge erlauben. Rekonstituierte ESCRT-III-Filamente auf Bizellen
(links) und intakten Membranen (rechts).
– bei der Bildung von intraluminalen Vesikeln in der endosomalen Reifung,
– bei der Cytokinese, dem letzten Schritt der
Zellteilung,
– bei der Knospung von Mikrovesikeln und
der bestimmter Virionen,
– bei der Einbettung von Kernporen in die
Kernmembran sowie deren Verschluss
nach der Zellteilung, und
– bei der Reparatur beschädigter Membranen.
Diese Liste umfasst nur einen Teil der diversen Funktionen der ESCRT-III-Proteine, da in
den letzten Jahren regelmäßig weitere entdeckt wurden [1]. In Bakterien und Archaeen
sind ihre Aufgaben auf die Membranreparatur beziehungsweise Zellteilung begrenzt, da
sie meist kein komplexes intrazelluläres
Membransystem haben [2, 3].
Trotz der Vielseitigkeit der Aufgaben und
der je nach Funktion unterschiedlichen Aktivatoren sind es immer die ESCRT-IIIProteine, die die Membranabtrennung durchführen. Dass ESCRT-III-Proteine in Bakterien, Archaeen und Eukaryoten ähnliche
Aufgaben übernehmen, impliziert, dass sich
der molekulare Funktionsmechanismus der
Membranabtrennung in Milliarden Jahren
nicht maßgeblich verändert hat. Dieser
Mechanismus ist noch nicht entschlüsselt,
allerdings geben jüngere Ergebnisse aus der
Die Aminosäuresequenz der ESCRT-IIIProteine ist nicht gut konserviert, was die
Entdeckung besonders der bakteriellen
ESCRT-III-Proteine lange erschwert hat. Ihre
Gemeinsamkeit liegt in ihrer Sekundärstruktur, die folglich ein Schlüsselelement für ihre
Funktion sein muss. Alle ESCRT-III-Proteine
bestehen aus mehreren α-Helices, wobei die
C-terminalen Helices α-3 und α-4 an die
N-terminalen, über eine Haarnadelschleife
miteinander verbundenen Helices α-1 und
α-2 binden können. In dieser geschlossenen
Form sind die ESCRT-III-Proteine löslich und
inaktiv (Abb. 1B). Werden sie jedoch aktiviert, öffnen sie sich und die Helices α-2 und
α-3 formen eine einzige Helix α-2/3
(Abb. 1B). Diese Öffnung legt ein Bindestelle
frei, die es den ESCRT-III-Proteinen erlaubt,
an zelluläre Membranen zu binden und zu
polymerisieren [4]. Die resultierenden
ESCRT-III-Polymere bilden membrangebundene Ringe, Spiralen und Helices (Abb. 1C,
[5, 6]). Während diese Aktivierung für manche ESCRT-III-Proteine Voraussetzung für
ihre Funktion ist, können andere ESCRT-IIIProteine auch in ihrer geschlossenen Form
polymerisieren. Allerdings konnte solche
makromolekularen Polymere, im offenen
oder geschlossenen Zustand, bisher nur im
Reagenzglas erzeugt und noch nicht in Zellen
beobachtet werden [7, 8].
Interessant ist hierbei auch die Vielzahl
der ESCRT-III-Proteine: Selbst in den am
wenigsten komplexen Lebewesen werden
mindestens zwei ESCRT-III-Proteine für eine
funktionierende Maschinerie benötigt.
Saccharomyces cerevisiae hat acht ESCRT-IIIProteine, ebenso der Mensch, wo es zusätzlich vier Isoformen gibt. Nur wenige davon
sind spezifisch für einzelne Funktionen (z. B.
Chm7/CHMP7 auf der Kernmembran). Die
meisten anderen funktionieren gemeinsam
in allen Situationen und es ist unklar, inwieweit sie in ihren Aufgaben redundant sind.
Jedoch konnte durch in vitro-Rekonstitutionen gezeigt werden, dass unterschiedliche
ESCRT-III-Polymere ko-assemblieren können, wobei ein Strang aus einem ESCRT-IIIProtein parallel zu einem oder mehreren
Strängen aus anderen ESCRT-III-Proteinen
verläuft. Je nach der Art der verwendeten
ESCRT-III-Proteine ändert sich die Form, die
mechanischen Eigenschaften oder die Ausrichtung der Membranbindungsstelle der
Mehrfachstränge gegenüber der der Einfachstränge (Abb. 1C, [4, 6]).
Rein oder raus? Die Richtung des
Membranumbaus
Die ESCRT-III-Proteine sind cytosolisch; in
den meisten beschriebenen Fällen schneiden
sie Membranen vom Cytosol weg (z. B. Bildung intraluminaler Vesikel, Cytokinese,
Virionenknospung). Dies führt zu dem
Dilemma, dass die ESCRT-III-Proteine dort
gebunden sind, wo die Membran für einen
Schnitt zusammengeführt werden soll und
sie sich also selbst im Weg sind (Abb. 1A). In
später entdeckten ESCRT-III-Funktionen
agieren di (...truncated)