ESCRTs in Pflanzen: die Begleitung der Membranproteine zum Abbau
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W I S S EN S CH AFT
Endosomaler Transport
ESCRTs in Pflanzen: die Begleitung
der Membranproteine zum Abbau
MARIE-KRISTIN NAGEL, ERIKA ISONO
LEHRSTUHL FÜR PHYSIOLOGIE UND BIOCHEMIE DER PFLANZEN,
UNIVERSITÄT KONSTANZ
The regulation of the abundance of plasma membrane proteins is
crucial for the survival of plants in an ever-changing environment.
Selective protein degradation of plasma membrane proteins occurs via
ubiquitin-dependent and ESCRT-mediated endosomal transport. Endosomal sorting complexes required for transport (ESCRTs) are not only
important for plant development, but also for autophagy and pathogen
defence in plants. Here we discuss the function of ESCRTs in the regulation of endosomal transport and their physiological implication.
DOI: 10.1007/10.1007/s12268-020-1392-4
© Die Autorinnen 2020
ó Pflanzen sind die Basis unserer Nahrung,
produzieren durch Photosynthese den Sauerstoff in unserer Atmosphäre und bilden so
eine Grundlage des Lebens auf der Erde. Da
sie standortgebundene Lebewesen sind, müssen sie sich ständig an Veränderungen in
ihrer Umwelt anpassen. Die Anpassungsmechanismen der Pflanzen aufzuklären, ist
wichtig, um die Vielfalt im Pflanzenreich zu
verstehen und auf längere Sicht gesehen Teile der Erkenntnisse auch auf ökonomisch
wichtige Pflanzenarten übertragen zu können. Eine beliebte Modellpflanze für die
Grundlagenforschung ist die Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana), eine zu den
Kreuzblütlern gehörende Art mit einer kurzen Generationszeit von etwa drei Monaten.
Arabidopsis hat mit 125 Megabasenpaaren
ein relativ kleines Genom, das seit dem Jahr
2000 entschlüsselt ist. Somit ist Arabidopsis
eine ideale Modellpflanze zur Durchführung
genomischer, genetischer, proteomischer
und metabolomischer Analysen an einem
Organismus.
Wie alle eukaryotischen Zellen sind auch
Pflanzenzellen von einer Lipiddoppelschicht,
der Zellmembran, umgeben. Um auf veränderte äußere Bedingungen rechtzeitig reagieren zu können, durchziehen integrale
Membranproteine die Zellmembran und stellen auf diese Weise die Verbindung zwischen
dem Zellinneren und der Umgebung her. Bei
diesen Membranproteinen handelt es sich
z. B. um Transporterproteine, welche unter
anderem den Ionenhaushalt der Zelle regulieren, oder auch um Rezeptoren, die bestimmte extrazelluläre Moleküle wahrnehmen und
so Signalkaskaden im Zellinneren auslösen
können.
Die Zusammensetzung der Membranproteine in der Zellmembran muss strikt
reguliert werden, um eine präzise Anpassung an die Umgebung zu ermöglichen. Proteinmengen werden in der Zelle auf transkriptioneller, translationaler und posttranslationaler Ebene reguliert. Die Regulation
über die Transkription und Translation kann
die vorhandene Proteinmenge nur schwer
beeinflussen. Im Gegensatz dazu kann
gezielter Proteinabbau vorhandene Proteine
schnell beseitigen und somit durch Abbau
von Schlüsselproteinen die Signalweiterleitungen sofort reduzieren.
Der Ubiquitin-Code bestimmt den
richtigen Pfad
Der selektive Proteinabbau benötigt ein kleines ubiquitär vorhandenes Proteinmolekül
namens Ubiquitin, das posttranslational an
die Zielproteine konjugiert wird. Bereits die
Modifikation mit einem Ubiquitinmolekül
kann die Stabilität oder Funktion eines Pro-
teins beeinflussen, meist werden die Zielproteine jedoch durch Ubiquitinpolymere
bzw. Ubiquitinketten modifiziert.
Das C-terminale Glycin des Ubiquitins
kann mit Lysinen anderer Proteine durch
ubiquitinylierende Enzyme über eine Isopeptidbindung verknüpft werden. Da Ubiquitin sieben Lysine (K6, K11, K27, K29, K33,
K48 und K63) besitzt, können Ubiquitinmoleküle auch untereinander verknüpft werden
und topologisch unterschiedliche Ubiquitinketten bilden, die in bestimmten biologischen Prozessen eine Rolle spielen. So werden Zellmembranproteine meist mit K63-Ubiquitinketten für den Abbau markiert [1].
Durch Verknüpfung über das N-terminale
Methionin können zusätzlich auch lineare
Ketten erzeugt werden [1]. Die Länge und
Verknüpfung der Ubiquitinketten sind entscheidend für das Schicksal der modifizierten Proteine. Die Ubiquitin-Modifikationen
– bzw. der Ubiquitin-Code – werden von verschiedenen Ubiquitin-bindenden Proteinen,
den Ubiquitin-Adaptern, gelesen, die dafür
sorgen, dass die markierten Zielproteine den
vorgesehenen Weg nehmen. Die Bildung von
diversen Kettentypen macht Ubiquitin einzigartig, da es einem einzigen Molekül
ermöglicht, unzählige biologische Prozesse
zu steuern.
Die endosomal sorting complexes
required for transport(ESCRT)Maschinerie koordiniert den
endosomalen Transport
Da sich integrale Zellmembranproteine in
der Zelle nicht aus der Lipiddoppelschicht
lösen lassen, werden die Proteine samt der
sie umgebenden Zellmembran endocytiert
und in Endosomen zur Vakuole transportiert,
in welcher der Abbau stattfindet. Während
der Endocytose bildet sich um den sich einstülpenden Bereich eine Clathrinhülle, die
nach der Abschnürung wieder zerfällt, um
eine Verschmelzung des Vesikels mit anderen Endosomen zu gewährleisten (Abb. 1).
Für den Transport der Frachtproteine zur
Vakuole ist die Funktion der ESCRTs notwendig. Dabei handelt es sich um MembranBIOspektrum | 04.20 | 26. Jahrgang
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lokalisierte Proteinkomplexe, die ubiquitinylierte Frachtproteine an den Endosomen
erkennen und deren Transport zur Vakuole
begleiten. ESCRTs findet man in einzelligen
Archaea bis hin zu mehrzelligen Eukaryoten,
wobei die Zusammensetzung ihrer Untereinheiten variiert [2]. Zusätzlich gibt es
Ubiquitin-Adapter, die der Ubiquitin-Erkennung dienen und durch Interaktion mit nachgeschalteten ESCRTs die ubiquitinylierten
Frachtproteine dem endosomalen Transport
zuführen [3]. Die Frachtproteine werden auf
späten Endosomen in die intraluminalen
Vesikel eingestülpt und geben den späten
Endosomen damit ihre spezifische Struktur,
wegen der sie auch multivesicular bodies
(MVBs) genannt werden (Abb. 1). Für diese
Einstülpung ist ESCRT-III und dessen filamentöse Polymerstruktur verantwortlich.
Anschließend verschmelzen die MVBs mit
der Vakuole und entlassen so ihren Inhalt in
die Vakuole (Abb. 1, [3]).
Unter den ESCRT-assoziierten Proteinen
sind auch deubiquitinylierende Enzyme, wie
z. B. AMSH, zu finden [4]. Die Abspaltung der
Ubiquitinkette vom Frachtprotein ist zum
einen wichtig, um den Abbau des Ubiquitins
in der Vakuole zu verhindern. Zum anderen
könnte das Entfernen von Ubiquitin dazu
führen, dass die Frachtproteine nicht mehr
von Ubiquitin-Adaptern und ESCRTs gebunden werden und somit zurück an die Zellmembran geleitet werden. Die Regulation der
Ubiquitinylierung an den Endosomen ist
wichtig für die Feinabstimmung des endosomalen Transports und der Proteinabundanz an der Zellmembran.
Die Zellmembran und die endosomalen
Membranen haben unterschiedliche Phospholipidzusammensetzungen, die sich fortlaufend auf dem Weg zur Vakuole ändern [5].
ESCRT sowie die Ubiquitin-Adapter binden
bestimmte Phosphoinositide in den Membranen, was deren Rekrutierung auf diese verstärkt.
Unsere Arbeitsgruppe hat in den letzten
Jahren ESCRT-assozi (...truncated)