Wider die Tabuisierung

psychopraxis. neuropraxis, Dec 2014

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Wider die Tabuisierung

Frhe Diagnose und Therapie ermglichen ein erflltes und zufriedenes Leben. te sind nicht stabil, sie wechseln mit gesunden Phasen ab. Stigmatisierung und Ausgrenzung Schizophreniekranke leiden auch unter der gesellschaftlichen Reaktion auf ihre Erkrankung, erklrt Prim. Dr. Georg Psota, Prsident der sterreichischen Gesellschaft fr Psychiatrie und Psychotherapie: Angst und soziale Ablehnung haben einer aktuellen Untersuchung zufolge in den vergangenen 20 Jahren sogar zugenommen. Stigmatisierung, soziale Ausgrenzung und Diskriminierung sind eine zustzliche Belastung fr die Betroffenen. - Wahnvorstellungen, ein beeintrchtigtes Gefhlsleben und Motivationsdefizite machen das Leben fr Schizophreniepatienten und ihre Umwelt zu einer fast tglichen Herausforderung. Die groe Unwissenheit ber die Erkrankung macht die Situation zustzlich kompliziert. Einer der schlimmsten Mythen, der sich um die Schizophrenieerkrankung rankt, ist die Assoziationunheilbar unbehandelbar. Schizophrenie ist zwar nicht heilbar, so Univ.-Prof. Dr.Wolfgang Fleischhacker, Univ.-Klinik fr Biologisch Psychiatrie, Innsbruck, sie ist aber gut behandelbar. Anlsslich des Internationalen Tages der seelischen Gesundheit stellte das Lundbeck Presseforum Psychiatrie Anfang OktoberLeben mit Schizophrenie zur Expertendiskussion. Die gespaltene Persnlichkeit ist jedenfalls auch ein Mythos. Die Symptome sind fr den Betroffenen qulend: DieVorstellung, das eigene Denken und Handeln werde von fremden Mchten beeinflusst, Halluzinationen vor allem im akustischen Bereich in Form von Stimmen, die Beschimpfungen von sich geben oder auch Befehle erteilen, Schwierigkeiten, Gefhle anderer Menschen wahrzunehmen oder zu verstehen, reduzierte Gedchtnisleistung und Aufmerksamkeit die Realitt wird verkannt, das eigene Leben gestaltet sich Aufgrund der Defizite hufig ziemlich desorganisiert und die Psychomotorik kann eingeschrnkt sein. Die Vielfltigkeit der Ausprgung fhrt auch hufig zu Probleme in der Diagnose: Ist diese bei Auftreten von Wahnvorstellungen noch relativ einfach, so sind Symptome, die die emotionale und kognitive Ebene betreffen, leicht mit anderen psychischen Strungen wir Depressionen zu verwechseln. Schizophrenie ist keine Persnlichkeitsstrung, stellt Fleischhacker fest, aber die Persnlichkeit ist in vielerlei Weise gestrt, beeintrchtigt und belastet. Doch die Defizi Hufigkeit und Ursachen Schizophrenie ist eine Erkrankung, die in allen Kulturkreisen und etwa gleich oft bei Mnnern und Frauen auftritt. Etwa ein Mensch unter 100 erkrankt irgendwann im Laufe seines Lebens an Schizophrenie, wobei der Beginn der Erkrankung meist im Adoleszenz- bzw. jungen Erwachsenenalter liegt. Dieser Zusammenfall mit einer ohnedies psychisch labilen Lebensphase fhrt auch dazu, dass die Diagnose oft verzgert gestellt wird. Gerade die frhe Diagnose und Therapie wren aber wichtig, um einen Krankheitsfortschritt mit immer wiederkehrenden Rckfllen und eine Chronifizierung zu vermeiden. Frhwarnzeichen, so Fleischhacker, ist die Kontinuitt der Symptome in der gesamten Flle, die relativ rigide und unflexibel sind. Die Ursachen fr eine Schizophrenieerkrankung sind nicht vollstndig aufgeklrt, zahlreiche Risikofaktoren, die einen Krankheitsausbruch begnstigen, sind jedoch bekannt. Dazu zhlen biologische ebenso wie psychosoziale Aspekte. Eine genetische Belastung und eineVernderung im Neurotransmitterhaushalt sind gut belegt. Aber auch die genetische Komponente ist von groer Vielfltigkeit geprgt: So sind mehr als 1000 Genmutationen bekannt, die das Risiko zu erkranken steigern. Schwere Erkrankungen der Mutter im zweiten Trimenon der Schwangerschaft oder perinatale Komplikationen fhren zu einer erhhtenVerletzlichkeit, an einer Schizophrenie zu erkranken. Das Zusammenspiel von genetischer Belastung, vermehrter Dopaminempfindlichkeit und unterschiedlichsten Formen von chronischem Stress erhht das Risiko. Da die letzte neuronale Reifung bis etwa zum 20. Lebensjahr erfolgt, kann das Auftreten von Stressoren hier als akuter Auslser wirken. Medikamente und psychosoziale Manahmen Therapeutisch stehen eine Vielzahl an Antipsychotika, die regulierend in den Dopaminstoffwechsel eingreifen, und psychosoziale Therapiemanahmen zur Verfgung. Etwa 70 % der frh behandelten Ersterkrankten erreichen nach drei bis sechs Monaten fast Symptomfreiheit, berichtet Fleischhacker: Zur Aufrechterhaltung dieses Therapieerfolges ist zumeist eine langfristige prophylaktische antipsychotischer Therapie notwendig. Eine gesellschaftliche Enttabuisierung soll auf beiden Seiten Angst und Unbehagen nehmen. Mit gezielter ffentlichkeits- und Informationsarbeit wird versucht, der ffentlichkeit Berhrungsngste mit Betroffenen zu nehmen und eine mglichst frhe Therapie zu ermglichen.Durch frhe therapeutische Interventionen knnen heute viele Schizophreniekranke ein erflltes, erfolgreiches und zufriedenes Leben fhren, betonte Fleischhacker. (...truncated)


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Wider die Tabuisierung, psychopraxis. neuropraxis, 2015, pp. 64, Volume 18, Issue 2, DOI: 10.1007/s00739-014-0220-3