Wider die Tabuisierung
Frhe Diagnose und Therapie ermglichen ein erflltes und zufriedenes Leben. te sind nicht stabil, sie wechseln mit gesunden Phasen ab. Stigmatisierung und Ausgrenzung Schizophreniekranke leiden auch unter der gesellschaftlichen Reaktion auf ihre Erkrankung, erklrt Prim. Dr. Georg Psota, Prsident der sterreichischen Gesellschaft fr Psychiatrie und Psychotherapie: Angst und soziale Ablehnung haben einer aktuellen Untersuchung zufolge in den vergangenen 20 Jahren sogar zugenommen. Stigmatisierung, soziale Ausgrenzung und Diskriminierung sind eine zustzliche Belastung fr die Betroffenen.
-
Wahnvorstellungen, ein
beeintrchtigtes Gefhlsleben und
Motivationsdefizite machen das Leben fr
Schizophreniepatienten und ihre Umwelt zu
einer fast tglichen Herausforderung. Die
groe Unwissenheit ber die Erkrankung
macht die Situation zustzlich
kompliziert. Einer der schlimmsten Mythen, der
sich um die Schizophrenieerkrankung
rankt, ist die Assoziationunheilbar
unbehandelbar. Schizophrenie ist zwar
nicht heilbar, so Univ.-Prof. Dr.Wolfgang
Fleischhacker, Univ.-Klinik fr Biologisch
Psychiatrie, Innsbruck, sie ist aber gut
behandelbar. Anlsslich des
Internationalen Tages der seelischen Gesundheit
stellte das Lundbeck Presseforum
Psychiatrie Anfang OktoberLeben mit
Schizophrenie zur Expertendiskussion. Die
gespaltene Persnlichkeit ist jedenfalls
auch ein Mythos.
Die Symptome sind fr den
Betroffenen qulend: DieVorstellung, das eigene
Denken und Handeln werde von
fremden Mchten beeinflusst,
Halluzinationen vor allem im akustischen Bereich in
Form von Stimmen, die
Beschimpfungen von sich geben oder auch Befehle
erteilen, Schwierigkeiten, Gefhle
anderer Menschen wahrzunehmen oder
zu verstehen, reduzierte
Gedchtnisleistung und Aufmerksamkeit die
Realitt wird verkannt, das eigene Leben
gestaltet sich Aufgrund der Defizite
hufig ziemlich desorganisiert und die
Psychomotorik kann eingeschrnkt sein.
Die Vielfltigkeit der Ausprgung fhrt
auch hufig zu Probleme in der
Diagnose: Ist diese bei Auftreten von
Wahnvorstellungen noch relativ einfach, so sind
Symptome, die die emotionale und
kognitive Ebene betreffen, leicht mit
anderen psychischen Strungen wir
Depressionen zu verwechseln. Schizophrenie
ist keine Persnlichkeitsstrung, stellt
Fleischhacker fest, aber die
Persnlichkeit ist in vielerlei Weise gestrt,
beeintrchtigt und belastet. Doch die
Defizi
Hufigkeit und Ursachen
Schizophrenie ist eine Erkrankung, die in
allen Kulturkreisen und etwa gleich oft
bei Mnnern und Frauen auftritt. Etwa
ein Mensch unter 100 erkrankt
irgendwann im Laufe seines Lebens an
Schizophrenie, wobei der Beginn der
Erkrankung meist im Adoleszenz- bzw. jungen
Erwachsenenalter liegt. Dieser
Zusammenfall mit einer ohnedies psychisch
labilen Lebensphase fhrt auch dazu, dass
die Diagnose oft verzgert gestellt wird.
Gerade die frhe Diagnose und Therapie
wren aber wichtig, um einen
Krankheitsfortschritt mit immer
wiederkehrenden Rckfllen und eine Chronifizierung
zu vermeiden. Frhwarnzeichen, so
Fleischhacker, ist die Kontinuitt der
Symptome in der gesamten Flle, die
relativ rigide und unflexibel sind.
Die Ursachen fr eine
Schizophrenieerkrankung sind nicht vollstndig
aufgeklrt, zahlreiche Risikofaktoren, die einen
Krankheitsausbruch begnstigen, sind
jedoch bekannt. Dazu zhlen biologische
ebenso wie psychosoziale Aspekte. Eine
genetische Belastung und
eineVernderung im Neurotransmitterhaushalt sind
gut belegt. Aber auch die genetische
Komponente ist von groer Vielfltigkeit
geprgt: So sind mehr als 1000
Genmutationen bekannt, die das Risiko zu
erkranken steigern. Schwere Erkrankungen
der Mutter im zweiten Trimenon der
Schwangerschaft oder perinatale
Komplikationen fhren zu einer
erhhtenVerletzlichkeit, an einer Schizophrenie zu
erkranken. Das Zusammenspiel von
genetischer Belastung, vermehrter
Dopaminempfindlichkeit und
unterschiedlichsten Formen von chronischem Stress
erhht das Risiko. Da die letzte neuronale
Reifung bis etwa zum 20. Lebensjahr
erfolgt, kann das Auftreten von Stressoren
hier als akuter Auslser wirken.
Medikamente und psychosoziale
Manahmen
Therapeutisch stehen eine Vielzahl an
Antipsychotika, die regulierend in den
Dopaminstoffwechsel eingreifen, und
psychosoziale Therapiemanahmen zur
Verfgung. Etwa 70 % der frh
behandelten Ersterkrankten erreichen nach drei
bis sechs Monaten fast Symptomfreiheit,
berichtet Fleischhacker: Zur
Aufrechterhaltung dieses Therapieerfolges ist
zumeist eine langfristige prophylaktische
antipsychotischer Therapie notwendig.
Eine gesellschaftliche
Enttabuisierung soll auf beiden Seiten Angst und
Unbehagen nehmen. Mit gezielter
ffentlichkeits- und Informationsarbeit
wird versucht, der ffentlichkeit
Berhrungsngste mit Betroffenen zu
nehmen und eine mglichst frhe
Therapie zu ermglichen.Durch frhe
therapeutische Interventionen knnen
heute viele Schizophreniekranke ein
erflltes, erfolgreiches und zufriedenes
Leben fhren, betonte Fleischhacker.
(...truncated)