Von Zelle zu Zelle
M. Parkinson
Eine internationale Forschungsgruppe zeigt, wie sich Parkinson im Gehirn ausbreitet.
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Literatur:
1. Kovacs GG et al (2014)
Intracellular processing of
disease-associated
synuclein in the human
brain suggests prion-like
cell-to-cell spread.
Neurobiol Dis 69:7692
2. Unterberger U et al
(2014) Detection of
disease-associated -synuclein
in the cerebrospinal fluid:
a feasibility study. Clin
Neuropathol 33(5):329
334
Eine internationale,
interdisziplinre Forschungsgruppe um
Priv.Doz. Dr. Gabor G. Kovacs vom
Klinischen Institut fr Neurologie der
MedUni Wien zeigt anhand eines
neuartigen Antikrpers, wie sich Parkinson im
menschlichen Gehirn von Zelle zu
Zelle ausbreitet. Bisher wurde dieser
Mechanismus nur in experimentellen
Modellen beobachtet, nun konnte er
erstmals auch beim Menschen
nachgewiesen werden.
Im Mittelpunkt der soeben im
TopJournal Neurobiology of Disease
erschienenen Studie1 steht das
Protein alpha-Synuclein. Dieses Protein ist
im menschlichen Gehirn vorhanden,
tritt aber bei der Parkinson`schen
Erkrankung und bei der Demenz mit
Lewy-Krpern, die fr bis zu ein Viertel
aller Demenzerkrankungen
verantwortlich ist, in einer krankhaft vernderten
Form auf.
Die vorliegende Studie, welche
von einem Team der MedUni Wien
gemeinsam mit ForscherInnen aus USA,
Deutschland und Ungarn durchgefhrt
wurde, beweist erstmals, dass
menschliche Nervenzellen das pathologische
alpha-Synuclein aufnehmen und sich
so die Krankheit von einer Zelle auf die
andere bertrgt. Das erklrt, warum
sich PatientInnen im
Krankheitsverlauf klinisch immer mehr
verschlechtern und neue Symptome auftreten, da
sich die Krankheit durch diesen
Ansteckungsprozess auf weitere
Hirnregionen ausbreiten kann, so Gabor G.
Kovacs zur zentralen Erkenntnis der
Studie.
Nachgewiesen wurde dieser
Mechanismus von den ForscherInnen anhand
eines Antikrpers, an dessen
Entwicklung WissenschafterInnen der
MedUni Wien in Zusammenarbeit mit dem
deutschen Biotech-Unternehmen
Roboscreen federfhrend beteiligt
waren. Wie die Studie zeigt, ist dieser
Antikrper der erste, der zwischen der
physiologisch vorliegenden und der
krankheits-assoziierten Form von
alpha-Synuclein unterscheidet und
ausschlielich mit der krankheits-assoziierten
Form reagiert.
Grundlage fr neue Therapien
Fr PatientInnen mit Morbus
Parkinson bedeutet das, dass der
Ausbreitungsmechanismus von
alpha-Synuclein von Zelle zu Zelle als mglicher
therapeutischer Angriffspunkt dienen
knnte, wenn man es schafft diesen
Zell-zu-Zell-bertragungsmechanismus zu blockieren, so Kovacs weiter.
In der Diagnostik bedeutet dieser
Antikrper ebenfalls einen groen
Fortschritt, da die bisher verwendeten
Antikrper keinen Unterschied zwischen
der physiologischen und der
krankheits-assoziierten Form gemacht
haben und deshalb nicht so einfach fr
diagnostische Zwecke, z. B. in
Krperflssigkeiten, verwendet werden
konnten.
Dass dies nun erstmals mglich ist,
zeigt eine weitere Studie, die soeben
im Fachmagazin Clinical
Neuropathology verffentlicht wurde.2 Demnach
kann der neue Antikrper zum
Auffinden von krankheits-assoziiertem
alphaSynuclein in der
Zerebrospinalflssigkeit von PatientInnen mit einer
alphaSynuclein bedingten
Gehirnerkrankung verwendet werden. Das ist von
groer Bedeutung fr die klinische
Praxis, weil dadurch diagnostisch
abgeklrt werden kann, ob eine von
LewyKrpern hervorgerufene Demenz
vorliegt. Diese Studie entstand in enger
Zusammenarbeit zwischen dem
Klinischen Institut fr Neurologie und der
Universittsklinik fr Neurologie der
MedUni Wien.
Diese Studien sind ein wichtiger Teil
des laufenden EU-Projektes
DEVELAGE. Unter der Leitung des Instituts fr
Neurologie der MedUni Wien arbeiten
acht Partnerzentren aus sechs
europischen Lndern (sterreich, Frankreich,
Deutschland, Italien, Niederlande,
Spanien) bei DEVELAGE (www.develage.
eu) zusammen.
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