Nutzenbewertung bei medizinischen Maßnahmen
Nutzenbewertung bei medizinischen Manahmen
Ihre R. Klar 0
W. Vach 0
0 Rudiger Klar Werner Vach Department fur Medizinische Biometrie und Medizinische Informatik, Universitat Freiburg , Freiburg , Deutschland
-
Fr die Aufnahme von medizinischen
Manahmen (pharmakologische und
nicht-pharmakologische Interventionen,
Diagnostika etc.) in den
Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen
fordert der GBA (Gemeinsamer
Bundesausschuss) auf Grundlage des SGB V den
Nachweis eines (patientenrelevanten)
Nutzens im Vergleich zu derzeit blichen
Vergleichsmanahmen. Die
Notwendigkeit des Nachweises eines derartigen
Nutzens fhrt im Augenblick in Deutschland
zu einem Umdenken in vielen Bereichen
der medizinischen Forschung, da die
bisherige Methodik hufig nicht konsequent
auf dieses Ziel ausgerichtet war. Typische
Probleme sind z. B. die Benutzung von
Surrogatparametern statt
patientenrelevanten Endpunkten, die Anerkennung
von Placebostudien im regulatorischen
Bereich, der Schwerpunkt vieler Studien
auf Efficacy statt Effectiveness oder der
Mangel an aussagekrftigen Studien in
Bereichen, wo bisher Innovationen ohne
stringente regulatorische Vorgaben
mglich waren (Diagnostik,
Medizinprodukte, operative Fcher).
In diesem Schwerpunktheft soll eine
bersicht zum derzeitigen Stand der
Umsetzung von Nutzenbewertungen in
Deutschland gegeben werden. Im
Mittelpunkt steht dabei die Frage, in wie weit
das generelle Konzept der
Nutzenbewertung wie es das SGB V vorsieht in
Deutschland bereits umgesetzt ist und/
oder wie es in Zukunft umgesetzt
werden soll, so dass patientenrelevante
Fortschritte in der Medizin und nur
diese im Versorgungsalltag ankommen.
Wir beginnen mit zwei Beitrgen, die
den generellen Rahmen fr die
Nutzenbewertung medizinischer Manahmen
in Deutschland beschreiben, gefolgt von
fnf Beitrgen, die die Nutzenbewertung
fr spezielle Arten von medizinischen
Manahmen beleuchten. Es folgen zwei
Beitrge zu methodischen Aspekten der
Nutzenbewertung. Den Abschluss bilden
zwei Beitrge, die die Nutzenbewertung
aus der Sicht der Gesundheitskonomie
bzw. der Versorgungsforschung und
Epidemiologie in einen greren Rahmen
einordnen.
Ein gemeinsames Fazit lsst sich leicht
aus allen Beitrgen ablesen: Die
Nutzenbewertung ist in Deutschland
angekommen. Kein Beitrag stellt die
Nutzenbewertung an sich als politisches und/oder
wissenschaftliches Instrument in Frage.
Dies ist nicht ganz selbstverstndlich da
in Deutschland die Entwicklung einer
evidenzbasierten Nutzenbewertung eher
,Top-down als ,Bottom-up erfolgt ist,
wie Jrgen Windeler und Stefan
Lange in ihrem Beitrag darlegen. Allerdings
weisen viele Beitrge darauf hin, dass die
Nutzenbewertung noch nicht berall
angekommen ist und auch nicht immer
unbedingt in der Form, wie sie allen
Beteiligten wnschenswert erscheint.
Nachholbedarf wird vor allem im Bereich der
Medizinprodukte, aber auch bei den
operativen Fchern angemeldet.
Klrungsbedarf wird gesehen, wenn es um die
administrativen Rahmenbedingungen und das
Zusammenspiel aller Akteure (Beinlich et
al., Windeler und Lange), die Einbettung
in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext
(Kaier und Fetzer, Vach und Gerke), die
Methodik (Gonnermann et al., Bullinger
et al.) und die Reichweite der Methodik
(Wegscheider et al.) geht. Insofern ist
abzusehen, dass uns das Thema
Nutzenbewertung und ihre Umsetzung noch viele
Jahre beschftigen werden.
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