Nävusassoziierte Melanome weniger aggressiv
Literatur kompak t
Nävusassoziierte Melanome weniger aggressiv
Melanome, die sich de novo entwickeln, sind offenbar mit einer kürzeren
Überlebenszeit assoziiert als Formen, die aus melanozytären Nävi entstehen.
Das lässt die Befundauswertung zweier großer US-Kohorten vermuten.
F
ür ihre Studie nutzten Dermatologen
aus den USA die Daten der Kohorten
NYU1 (n = 1.024) und NYU2 (n = 1.125),
sodass sie die in der einen Kohorte entdeckten Assoziationen in der zweiten
überprüfen konnten. Patienten der ersten Kohorte wurden zwischen 1972 und
1982 im Zentrum aufgenommen und behandelt. Das Follow-up endete 1993. In
der zweiten Kohorte wurden die Patienten zwischen 2002 und 2009 aufgenommen, mit einem Follow-up bis 2013. Zwischen dem Zeitpunkt, zu dem der letzte
Patient in NYU1 aufgenommen wurde,
und dem Zeitpunkt, zu dem der erste Patient in NYU2 aufgenommen wurde, liegen somit zwei Dekaden. Von mehr als
400 klinischen und pathologischen Parametern fokussierten die Ärzte auf elf
und zehn Parameter, etwa Alter, Geschlecht, Tumordicke und -lokalisation
sowie Gesamtüberleben. In der ersten
Gruppe waren die Melanome bei 19,3 %
der Patienten nävusassoziiert, in der
zweiten Gruppe bei 31,0 %.
Bekannte prognostische Faktoren wie
Alter, Tumordicke, Ulzeration, mitotischer Index und Lokalisation des Melanoms am Körperstamm waren in beiden
Kohorten signifikant mit dem Überleben assoziiert. So war bei Patienten der
NYU2-Kohorte mit De-novo-Melanomen die Wahrscheinlichkeit, kürzer zu
leben als Patienten der Vergleichsgruppe
mit nävusassoziierten Melanomen,
zweieinhalbfach erhöht (Hazard Ratio
[HR]: 2,52; 95 %-Konfidenzintervall
1,78–3,56; p < 0,001). In der anderen Kohorte war die Wahrscheinlichkeit, früher zu sterben, weniger stark erhöht
(HR: 1,63; 95 %-KI 1,22–2,18; p < 0,001).
Mithilfe einer multivariaten Analyse,
in der unter anderem Tumordicke und
-lokalisation sowie Ulzerationen bei der
Berechnung berücksichtigt wurden, entpuppte sich in der NYU2-Gruppe eine
De-novo-Entstehung als unabhängiger
prognostischer Faktor für ein geringeres
Überleben (HR: 1,70; 95 %-KI 1,19–2,44;
p = 0,004). In beiden Kohorten war bei
Patienten mit De-novo-Melanomen das
Überleben von Männern kürzer als von
Frauen. Eine Assoziation zwischen Geschlecht und Überleben ließ sich dagegen aus den Befunden der Patienten mit
nävusassoziierten Melanomen nicht ablesen. Der beobachtete Unterschied zwischen den Geschlechtern beim Parameter Überleben könnte nach Ansicht der
Ärzte auf immunologischen Unterschieden beruhen sowie auf unterschiedlichen Effekten der Geschlechtshormone
auf den Hauttumor. Möglicherweise seien zudem nävusassoziierte Melanome
aufgrund ihres Geno- und Phänotyps
weniger aggressiv.
Fazit: Patienten mit De-novo-Melanomen haben eine schlechtere Prognose als
Patienten mit nävusassoziierten Melanomen.
Peter Leiner
Cymerman RM et al. De Novo vs NevusAssociated Melanomas: Differences in
Associations With Prognostic Indicators and
Survival. J Natl Cancer Inst 2016; 108: pii: djw121
Hinter dem Exanthem steckt ein brasilianisches Virus
a
b
Im Routinelabor bestanden keine Auffälligkeiten, im Urinstatus
eine leichte Hämaturie.
Der Patient lebte in einer deprivierten Region von Rio de Janeiro.
Serologische Untersuchungen auf Dengue, Zytomegalie, Toxoplasmose, EBV, Lues und HIV waren negativ, wie auch eine PCR für
Dengue und Chikungunya. Erst die wegen einer Infektionswelle
angelegte PCR von Zikavirus-RNA erbrachte ein positives Ergebnis.
Die Therapie war symptomatisch. 14 Tage nach der Vorstellung
war der Patient vollständig beschwerdefrei.
Prof. Hermann Füeßl
Brasil P et al. Exanthema associated with Zika virus infection. Lancet
Infect Dis 2016; 16: 866
c
d
a: Exanthem im Gesicht, konjunktivale Injektion; b: Exanthem am Abdomen; c: Petechiale Blutungen am harten Gaumen;
d: Druckdolenter Lymphknoten hinter dem Ohr
24
© Lancet Infect Dis. 2016;16:866
Ein 39-jähriger Mann suchte wegen einer fiebrigen Erkrankung
mit Kopf-, Schluck- und Muskelschmerzen, einer Konjunktivitis
und einem Ausschlag im Gesicht eine Nothilfe auf. Begleiterkrankungen waren nicht bekannt. Bei der Untersuchung zeigten sich
ein schmetterlingsförmiges Exanthem im Gesicht und eine konjunktivale Injektion (Abb. a) sowie ein makulöses Exanthem im
Bereich von Brust und Abdomen (Abb. b). Im Bereich des harten
Gaumens fanden sich eine Rötung und petechiale Blutungen
(Abb. c). Hinter dem linken Ohr tastete man einen druckdolenten, verschieblichen und weichen Lymphknoten von etwa 15
mm Durchmesser (Abb. d). Darüber hinaus fielen multiple kleinere, submandibuläre und zervikale Lymphknoten beidseits auf.
hautnah dermatologie 2017; 33 (1)
(...truncated)