Ultrastruktur in 3D: neue Ansichten und Einsichten in der Zellbiologie
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Elektronenmikroskopie
Ultrastruktur in 3D: neue Ansichten
und Einsichten in der Zellbiologie
ELSA ARCALÍS, ULRIKE HÖRMANN-DIETRICH, EVA STÖGER
INSTITUT FÜR PFLANZENBIOTECHNOLOGIE UND ZELLBIOLOGIE, UNIVERSITÄT FÜR
BODENKULTUR, WIEN, ÖSTERREICH
Three-dimensional electron microscopy (EM) has irrupted in the field of
cell biology to provide exciting information at the structural level,
including the shape and volume of organelles and their spatial distribution within the cell. Here, we present some examples of the application
of 3D EM to the study of the plant endomembrane system, demonstrating the enormous potential of these techniques.
DOI: 10.1007/s12268-023-1956-1
© Die Autorinnen 2023
ó In der Mikroskopie steht eine breite Palette von Techniken zur Verfügung, um Fragen
der Pflanzenzellbiologie auf Einzelzellebene
und mit hoher Auflösung zu untersuchen.
Beispielsweise bietet die moderne Konfokalmikroskopie unter Verwendung verschiedener Fluoreszenzfarbstoffe und Fluoreszenzmarker eine hohe experimentelle Flexibilität
bei der Beobachtung lebender Zellen. Die
Möglichkeiten dieser optischen Methoden
(unter dem Begriff Live Cell Imaging zusammengefasst), bieten eine räumliche und zeitliche Dimension, haben jedoch ein begrenztes Auflösungsvermögen und sind auch
dadurch limitiert, dass nur Fluoreszenzsignale erkannt werden können, während
unmarkierte Moleküle oder Organellen nicht
sichtbar gemacht werden können [1]. Die
überlegene Auflösung der Elektronenmikroskopie und die Möglichkeit, den gesamten
Zellinhalt zu kontrastieren, z. B. durch Verwendung von Schwermetallen bei der Probenpräparation, erlauben es, die Ultrastruktur der gesamten Zelle auf einmal zu untersuchen [2], und machen damit die Elektronenmikroskopie zur perfekten Ergänzung
des Live Cell Imagings. Dieser multimodale
Ansatz setzt neue Maßstäbe in der Strukturforschung, da er skalenübergreifend ist.
Auch wenn die elektronenmikroskopische
Auflösung zellulärer Strukturen schwer zu
überbieten ist, erlaubt konventionelle Transmissionselektronenmikroskopie (TEM) nur
BIOspektrum | 04.23 | 29. Jahrgang
zweidimensionale Bilder eines räumlichen
Objekts, was in manchen Fällen zu Fehlinterpretationen führen kann. Abbildung 1 zeigt
beispielsweise einen Teil einer Pflanzenzelle
einschließlich einer Vakuole, in deren Innenraum ein Mitochondrium zu sehen ist. Auf
der Basis von Abbildung 1A kann dies jedoch
nicht zweifelsfrei behauptet werden, denn
das 2D-Bild könnte theoretisch auch dadurch
zustande kommen, dass sich das Mitochondrium eigentlich außerhalb der Vakuole in
einer Einstülpung des Tonoplasten befindet,
die sich durch Verlust des vakuolären Innendrucks ausbilden kann. Wird dann der
2D-Schnitt zufällig quer durch diese Einstülpung geführt, kann der Eindruck entstehen,
A
B
dass das Mitochondrium in der Vakuole liegt,
obwohl das vielleicht gar nicht der Fall ist.
Erst die 3D-Rekonstruktion (Abb. 1C) erlaubt
zweifelsfrei die Schlussfolgerung, dass sich
das Mitochondrium als Folge von Mitophagie
innerhalb der Vakuole befindet.
Das technische Prinzip von serial
block face imaging
Unter Berücksichtigung der Abmessungen
der zu untersuchenden Objekte und der
gewünschten räumlichen Auflösung wurden
in den letzten Jahren mehrere elektronenmikroskopische Techniken zur Untersuchung von 3D-Volumina entwickelt. Eine
davon ist die serielle Block-Face-Technik
(SBF-SEM), die auf der Rasterelektronenmikroskopie (REM) basiert, um 2D-Bilder von
der Oberfläche eingebetteter Gewebeschnitte zu erzeugen. Ein eingebautes Mikrotom
schneidet dünne Schichten (∼30–40 nm)
des Probenblocks und die neu entstandene
Probenoberfl äche wird dann fotografiert.
Nach einigen Schneide- und Aufnahmezyklen erhält man eine große Anzahl von
Serienschnitten auf ultrastruktureller Ebene und damit einen Z-Stapel, der 3D-Informationen enthält. Diese Technik erlaubt die
Untersuchung größerer Volumina und eignet sich daher besonders für die Darstellung
der Mikroanatomie von Zellen und Geweben.
C
˚ Abb. 1: 2D-Elektronenmikroskopie vs. 3D-Elektronenmikroskopie. A, einzelne Querschnittsebene einer Bilderserie in der Z-Achse, die ein Mitochondrium (Pfeil) in einer vakuolären Struktur
zeigt (v). B, Tonoplast (gelb), Mitochondriums (rot). C, 3D-Rekonstruktion. Ein durch Mitophagie
entstandener Einschluss des Mitochondriums ist klar erkennbar. Abgeändert von Arcalis et al. [9].
Maßstab 2 μm.
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W I S S EN S CH AFT · S PECIA L : ZELLBI OLOGI E & CE LL IMAGING
A
B
C
D
E
F
˚ Abb. 2: 3D-Rekonstruktion von Endomembranorganellen in Zellen des Maissamens. A, REMER-Stränge (Pfeile), PBs (Pfeilspitzen) und Vakuolen (v). B, 3D-Rekonstruktion; massive ER-Membranzisternen (Pfeile). C, REM-ER-Stränge (Pfeile), PBs (Pfeilspitzen). D, 3D-Rekonstruktion;
ER-Zisternen (Pfeil) und PBs, die in verschiedenen Ebenen von ER-Zisternen gebildet werden
(gekennzeichnet als 1, 2 und 3). E, TEM-Vakuole (v) mit Globulineinschlüssen (*) und einem PB
(Pfeilspitze). F, 3D-Rekonstruktion; völliger Einschluss von PBs zusammen mit Globulinen innerhalb der Vakuolen. Abgeändert von Arcalis et al. [4, 9]. Maßstab 2 μm (A, B), 1 μm (C).
Welche neuen Schlussfolgerungen
werden durch die hochauflösende
3D-Darstellung möglich?
Besonders aufschlussreich und daher in diesem Artikel beispielhaft ausgeführt, ist die
3D-Elektronenmikroskopie von Zellorganellen, die dem Endomembransystem zugeordnet werden. Das endoplasmatische Retikulum (ER) zum Beispiel, ebenso wie auch
diverse Vakuolen, können je nach Spezialisierung der Zelle und gemäß ihren spezifischen Funktionen unterschiedlich ausgeprägt sein. Ein extremes Beispiel hierfür sind
die Zellen von Speichergeweben in Pflanzen-
samen. In Samen von Gräsern übernehmen
hauptsächlich die Zellen des Endosperms die
Speicherfunktion, und entsprechend ist die
Morphologie ihres Endomembransystems
auf die Synthese und Akkumulierung
von Proteinen spezialisiert. Abbildung 2A, B
zeigt das extrem dichte Endomembransystem einer Endospermzelle in einem unreifen
Maissamen. Die außergewöhnliche Entwicklung des ER, das ausschließlich aus massiven
Zisternen besteht, und der Speichervakuolen, die in das Netzwerk des ER eingebettet
sind, können nur in der dritten Dimension
voll erfasst werden.
Zusammenhänge zwischen ER und
Speicherorganellen
Das ER spielt eine entscheidende Rolle bei
der Biosynthese von Proteinen und anderen
Molekülen in den Zellen. Es ist das Organell
mit der größten Membranfläche und besteht
aus einem Netzwerk von Röhren und Zisternen, das je nach Zellspezialisierung und Entwicklungsstadium sehr variabel sein kann
[3].
In Getreidesamen weist das ER eine hohe
Plastizität auf, da es ein hohes Maß an Speicherproteinsynthese bewältigen muss und
die entstehenden Proteine in neu gebildeten
Speicherorganellen anordnet, welche protein
bodies (PB) genannt werden. Im Mais führt
dies zum Vorhandensein vieler kleiner PBs
(0,6–1 μm). Außerdem sind die Zellen des
Mais-Endosperms durch ER-Stränge charakterisiert. (Abb. 2A, C). Abbildung 2D zeigt
die 3D-Rekonstruktion der ER (...truncated)