Die Belastung zählt

psychopraxis. neuropraxis, Feb 2025

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Die Belastung zählt

Aktuell Schlafstörungen Die Belastung zählt Viele Menschen haben den Eindruck, ihr Schlaf sei gestört. Oft ist das objektiv gar nicht der Fall. Es ist aber wichtig, vorurteilsfrei die Beschwerdeschilderung ernst zu nehmen. schränken. Müdigkeit, Ermüdbarkeit, Befindlichkeitsstörungen und Psychopathologie am Tag sind ebenso wichtig. Zudem sollten relevante Vor- und Begleiterkrankungen und Lebensumstände erfragt werden. Beginn, Fluktuationen und moderierende Variablen der Schlafbeschwerden sind ebenfalls wichtig. Bevor technische Untersuchungen wie Polygraphie oder Polysomnographie (PSG) erfolgen, können erst einmal Schlaftagebuch und Instrumente wie der Pittsburgh Schlafqualitätsindex (PSQI), die Epworth Sleepiness Scale (ESS), das Beck-Depressions-Inventar (BDI) und andere eingesetzt werden, um die Beschwerden und die Belastungen zu erfassen. Diagnose: Nie nur Schlaf betrachten Bei etwa 36 % der Betroffenen ist die Ursache der geäußerten Schlafstörung eine psychiatrische Erkrankung. Der zweithäufigste Grund für Schlafbeschwerden ist eine Insomnie, im DSM-5 definiert als eine subjektive Beschwerde oder Unzufriedenheit mit der Schlafqualität oder -quantität, die zu klinisch relevantem Leiden oder Einschränkungen in wichtigen Funktionsbereichen führt und mindestens dreimal pro Woche über mindestens drei Monate auftritt. Prof. Dr. Christoph Nissen von der psychiatrischen Universitätsklinik in Genf, Schweiz, berichtete aus eigenen Untersuchungen, dass Menschen mit insomnischen Beschwerden gegenüber gesunden Kontrollen in der P SG in keinen Parametern klinisch relevante Unterschiede aufweisen. Solche Schlaf untersuchungen sind daher nicht geeignet, eine insomnische Stö- Schlafbezogene Beschwerden sollten vorurteilsfrei eruiert werden. Dabei ist es wichtig, sich nicht auf den nächtlichen Schlaf zu be- © stock.adobe/spyrakot Quelle: www. springermedizin.de/ Friederike Klein Basierend auf: DGPPN-Kongress 2024 vom 27.–30. November 2024 in Berlin, Symposium: „State of the Art: Schlafmedizin“ am 30. November 2024 In der hausärztlichen Praxis sind Schlafprobleme bei 12,3 % der Patient:innen die Hauptbeschwerde, berichtete Prof. Dr. Thomas Pollmächer, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie I am Klinikum Ingolstadt, Deutschland. Allgemein machen sich seinem Eindruck nach heute zu viele Menschen zu viele Gedanken um ihren Schlaf. Es gibt interindividuell große Unterschiede und der Schlaf verändert sich altersabhängig. Normal ist: – Gesamtschlafdauer: 5–10 Stunden – Einschlafdauer: bis 30 Minuten – Aufwachereignisse: 1–2/Nacht (aber auch bis zu 10) – Tiefschlafmenge: 15–25 % – Leichte Non-REM-Schlaf: 40– 55 % – REM-Schlaf: 15–25 % 88  Auch digitale Gesundheitsanwendungen sind zur Behandlung einer Insomnie verfügbar 8   psychopraxis. neuropraxis 1 · 2025 Insomnie: Beschwerden ohne klinisches Korrelat rung zu beweisen oder zu widerlegen, stellte er klar. Die insomnische Störung entsteht wahrscheinlich nachgeschaltet durch Kognition, Emotion und Verhalten. Man kann die Betroffenen beruhigen, sagte er: Das Schlaf-Wach-Regulationssystem im Gehirn ist gesund. Das Behandlungsziel ist, die schlafbezogene Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören Ratschläge für besseres Schlafen (Nissen vermeidet bewusst den Begriff „Schlafhygiene“), die Restriktion der Bettzeit, Entspannungsverfahren und eine kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I), die allerdings noch wenig angeboten wird. Es sind drei digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) zur Behandlung von Insomnie verfügbar: somnio, HelloBetter und Somnovia. Bisher werden diese noch sehr zurückhaltend verordnet, meinte Nissen. Stattdessen werden zu häufig Hypnotika verschrieben. Eine Pharmakotherapie sollte jedoch vorrangig erwogen werden, wenn die KVT-I nicht erfolgreich ist, findet er. Hinweis des Verlags. Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Instituts adressen neutral. psychopraxis. neuropraxis 2025 · 28:8 https://doi.org/10.1007/s00739-025- 01065-z © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer-Verlag GmbH Austria, ein Teil von Springer Nature 2025 (...truncated)


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Die Belastung zählt, psychopraxis. neuropraxis, 2025, pp. 8, Volume 28, Issue 1, DOI: 10.1007/s00739-025-01065-z