Die Belastung zählt
Aktuell
Schlafstörungen
Die Belastung zählt
Viele Menschen haben den Eindruck, ihr Schlaf sei gestört. Oft ist das objektiv gar nicht der Fall. Es ist aber
wichtig, vorurteilsfrei die Beschwerdeschilderung ernst zu nehmen.
schränken. Müdigkeit, Ermüdbarkeit, Befindlichkeitsstörungen und
Psychopathologie am Tag sind
ebenso wichtig. Zudem sollten relevante Vor- und Begleiterkrankungen und Lebensumstände erfragt
werden. Beginn, Fluktuationen
und moderierende Variablen der
Schlafbeschwerden sind ebenfalls
wichtig. Bevor technische Untersuchungen wie Polygraphie oder
Polysomnographie (PSG) erfolgen,
können erst einmal Schlaftagebuch
und Instrumente wie der Pittsburgh
Schlafqualitätsindex (PSQI), die Epworth Sleepiness Scale (ESS), das
Beck-Depressions-Inventar (BDI)
und andere eingesetzt werden, um
die Beschwerden und die Belastungen zu erfassen.
Diagnose: Nie nur Schlaf
betrachten
Bei etwa 36 % der Betroffenen ist
die Ursache der geäußerten Schlafstörung eine psychiatrische Erkrankung. Der zweithäufigste Grund für
Schlafbeschwerden ist eine Insomnie, im DSM-5 definiert als eine subjektive Beschwerde oder Unzufriedenheit mit der Schlafqualität oder
-quantität, die zu klinisch relevantem Leiden oder Einschränkungen
in wichtigen Funktionsbereichen
führt und mindestens dreimal pro
Woche über mindestens drei Monate auftritt. Prof. Dr. Christoph Nissen
von der psychiatrischen Universitätsklinik in Genf, Schweiz, berichtete aus eigenen Untersuchungen,
dass Menschen mit insomnischen
Beschwerden gegenüber gesunden
Kontrollen in der P SG in keinen Parametern klinisch relevante Unterschiede aufweisen. Solche Schlaf
untersuchungen sind daher nicht
geeignet, eine insomnische Stö-
Schlafbezogene Beschwerden sollten vorurteilsfrei eruiert werden.
Dabei ist es wichtig, sich nicht
auf den nächtlichen Schlaf zu be-
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Quelle: www.
springermedizin.de/
Friederike Klein
Basierend auf:
DGPPN-Kongress 2024 vom
27.–30. November
2024 in Berlin, Symposium: „State of
the Art: Schlafmedizin“ am 30. November 2024
In der hausärztlichen Praxis sind
Schlafprobleme bei 12,3 % der
Patient:innen die Hauptbeschwerde, berichtete Prof. Dr. Thomas
Pollmächer, Chefarzt der Klinik für
Psychiatrie und Psychotherapie I
am Klinikum Ingolstadt, Deutschland. Allgemein machen sich seinem Eindruck nach heute zu viele
Menschen zu viele Gedanken um
ihren Schlaf. Es gibt interindividuell
große Unterschiede und der Schlaf
verändert sich altersabhängig. Normal ist:
– Gesamtschlafdauer: 5–10 Stunden
– Einschlafdauer: bis 30 Minuten
– Aufwachereignisse: 1–2/Nacht
(aber auch bis zu 10)
– Tiefschlafmenge: 15–25 %
– Leichte Non-REM-Schlaf: 40–
55 %
– REM-Schlaf: 15–25 %
88 Auch digitale Gesundheitsanwendungen sind zur Behandlung einer Insomnie verfügbar
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psychopraxis. neuropraxis 1 · 2025
Insomnie: Beschwerden
ohne klinisches Korrelat
rung zu beweisen oder zu widerlegen, stellte er klar. Die insomnische
Störung entsteht wahrscheinlich
nachgeschaltet durch Kognition,
Emotion und Verhalten. Man kann
die Betroffenen beruhigen, sagte
er: Das Schlaf-Wach-Regulationssystem im Gehirn ist gesund. Das
Behandlungsziel ist, die schlafbezogene Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören Ratschläge für
besseres Schlafen (Nissen vermeidet bewusst den Begriff „Schlafhygiene“), die Restriktion der Bettzeit,
Entspannungsverfahren und eine
kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I), die allerdings noch
wenig angeboten wird. Es sind drei
digitale Gesundheitsanwendungen
(DiGA) zur Behandlung von Insomnie verfügbar: somnio, HelloBetter
und Somnovia. Bisher werden diese
noch sehr zurückhaltend verordnet,
meinte Nissen. Stattdessen werden
zu häufig Hypnotika verschrieben.
Eine Pharmakotherapie sollte jedoch vorrangig erwogen werden,
wenn die KVT-I nicht erfolgreich
ist, findet er.
Hinweis des Verlags. Der Verlag bleibt
in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in
veröffentlichten Karten und Instituts
adressen neutral.
psychopraxis. neuropraxis
2025 · 28:8
https://doi.org/10.1007/s00739-025-
01065-z
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