Optimale Analgesie bei Nierensteinkolik
FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN
Optimale Analgesie bei Nierensteinkolik
Bei der akuten Nierensteinkolik erweisen sich 75 mg Diclofenac i.m. als analgetisch
effektiver als die intravenöse Gabe von 0,1 mg/kg Morphin oder 1 g/100 ml Paracetamol.
_ Die Schmerzen bei der akuten Nierensteinkolik gehören zu den schlimmsten, die ein Mensch erleben kann. In den
westlichen Industrieländern stieg die Inzidenz in den letzten zehn Jahren um
über 50%. Wohl jeder praktizierende
Arzt erlebt mehrfach im Jahr einen Patienten mit derartigen Beschwerden.
Doch besteht keine Einigkeit über die
optimale analgetische Therapie.
Im Verlauf eines Jahres wurden in der
Nothilfe der Universitätsklinik von
Doha 1.645 Patienten mit akuter Nierensteinkolik in drei Gruppen randomisiert.
547 Patienten erhielten 75 mg Diclofenac
i.m., 548 bekamen 1 g/100 ml Paracetamol i.v., und 549 wurde 0,1 mg/kg Mor-
phin i.v. verabreicht. In einer Intentionto-treat-Analyse wurde ermittelt, ob sie
nach 30 Minuten eine mindestens 50%ige Verringerung des Schmerz-Scores
erreichten.
Bei 1.316 Patienten wurden Konkremente im Ureter diagnostiziert. Der primäre Endpunkt wurde unter Diclofenac
von 68%, unter Paracetamol von 66%
und unter Morphin von 61% der Teilnehmer erreicht. Im Vergleich zu Morphin war Diclofenac signifikant effektiver bei der Schmerzreduktion, während
zwischen Morphin und Paracetamol
kein signifikanter Unterschied bestand.
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
traten unter Morphin bei 19 Patienten
(3%) auf, in den beiden anderen Gruppe
dagegen nur bei jeweils sieben (1%).
■ Pathan SA et al. Delivering safe and effective analgesia
for management of renal colic in the emergency department:
a double-blind, multigroup, randomised trial. Lancet.
2016;387:1999–2007
KOMMENTAR
Wir nehmen es zur Kenntnis und wundern
uns, dass es eine derart schlichte Studie zu
einem Allerweltsthema in eine der bedeutendsten Fachzeitschriften geschafft hat. ■
Prof. Dr. med. H. S. Füeßl
Themenhinweis: In MMW 17/2016 werden
wir uns im Schwerpunkt „Der urologische
Notfall“ intensiv auch mit der Therapie der
Nierensteinkolik befassen.
Hinter dem Exanthem steckt ein brasilianisches Virus
© Lancet Infect Dis. 2016;16:866
Ein 39-jähriger Mann suchte wegen einer fiebrigen Erkrankung mit Kopf-, Schluck- und Muskelschmerzen, einer Konjunktivitis und einem
Ausschlag im Gesicht eine Nothilfe auf. Begleit-
erkrankungen waren nicht bekannt. Bei der Untersuchung zeigten sich ein schmetterlingsförmiges Exanthem im Gesicht und eine konjunktivale Injektion (Abb. A) sowie ein makulöses
A
B
C
D
A: Exanthem im Gesicht, konjunktivale Injektion. B: Exanthem am Abdomen. C: Petechiale Blutungen am harten Gaumen. D: Druckdolenter Lymphknoten hinter dem Ohr.
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MMW Fortschritte der Medizin
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Exanthem im Bereich von Brust und Abdomen
(Abb. B). Im Bereich des harten Gaumens fanden sich eine Rötung und petechiale Blutungen
(Abb. C). Hinter dem linken Ohr tastete man
einen druckdolenten, verschieblichen und weichen Lymphknoten von etwa 15 mm Durchmesser (Abb. D). Darüber hinaus fielen multiple kleinere, submandibuläre und zervikale Lymphknoten beidseits auf. Im Routinelabor bestanden keine Auffälligkeiten, im Urinstatus eine
leichte Hämaturie.
Der Patient lebte in einer deprivierten Region
von Rio de Janeiro. Serologische Untersuchungen auf Dengue, Zytomegalie, Toxoplasmose,
EBV, Lues und HIV waren sämtlich negativ. Auch
eine PCR für Dengue und Chikungunya ergab
keinen pathologischen Befund. Erst die wegen
der aktuellen Infektionswelle angelegte PCR
von Zikavirus-RNA erbrachte ein positives Ergebnis. Die Behandlung war symptomatisch.
14 Tage nach der Erstvorstellung war der Patient vollständig beschwerdefrei.
■
Prof. Dr. med. H. S. Füeßl
■ Brasil P et al. (). Exanthema
associated with Zika virus infection. Lancet Infect Dis. 2016;16:866
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