Safety first: das Ubiquitin-Proteasom-System (UPS) und die Photosynthese
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Chloroplastenbiogenese
Safety first: das Ubiquitin-ProteasomSystem (UPS) und die Photosynthese
JULIA GRIMMER 1, SACHA BAGINSKY 2
1 INSTITUT FÜR BIOCHEMIE & BIOTECHNOLOGIE, UNIVERSITÄT HALLE-WITTENBERG
2 BIOCHEMIE DER PFLANZEN, FAKULTÄT FÜR BIOLOGIE UND BIOTECHNOLOGIE, RUHRUNIVERSITÄT BOCHUM
The proteasome is essential for the control of protein turnover in the
nucleus and the cytosol of eukaryotic cells. Chloroplasts and mitochondria import thousands of nuclear-encoded proteins as precursor
proteins from the cytosol. We show that mild genetic proteasome
impairment interferes with a cytosolic equilibrium between precursor
protein import and degradation resulting in elevated precursor protein
abundance in the cytosol and improved photosynthetic performance.
DOI: 10.1007/s12268-021-1597-1
© Die Autoren 2021
A
B
ó Mit der Umwandlung von Lichtenergie in
chemisch nutzbare Energie ist die Photosynthese einer der bedeutendsten biochemischen Prozesse der Erde. Die Reaktionen der
Photosynthese sind in spezialisierten Zellorganellen, den Chloroplasten, lokalisiert.
Chloroplasten entstanden vor etwa zwei Milliarden Jahren durch die Aufnahme eines
Vorfahren der heutigen Cyanobakterien in
eine eukaryotische Wirtszelle im Rahmen
der Endosymbiose. Zur Etablierung des Endosymbionten als Zellorganell ist ein Großteil
der ursprünglich im Bakterium enthaltenen
Erbinformation in den Kern des eukaryotischen Wirts übergegangen [1]. Basierend auf
Genomvorhersagen sind in höheren Pflanzen
C
D
˚ Abb. 1: Charakterisierung der Pflanzenlinien von Arabidopsis thaliana [8]. A, Erscheinungsbild von Wildtyp (WT), rpn8a, pad1, ppi2, rpn8appi2 und
pad1ppi2. B, Adulte WT- und rpn8a-Pflanzen (35 d). C, Durchschnittliches Frischgewicht von rpn8a- und Wildtyp-Pflanzen. D, Gehalte der photosynthetischen Pigmente Chlorophyll a (Chl a), Chlorophyll b (Chl b) und Carotinoide (Carot) in den angegebenen Genotypen. Dargestellt sind die Mittelwerte
mit Standardabweichungen; signifikante Unterschiede sind mit einem (p-Wert < 0.05) oder zwei Sternen (p-Wert < 0.005) nach zweiseitigem, ungepaarten T-Test gekennzeichnet. Abbildung modifiziert nach [8].
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˚ Abb. 2: Transmissionselektronenmikroskopie(TEM)-Aufnahmen von Plastiden der angegebenen Genotypen von Arabidopsis thaliana [8]. Plastiden
der Doppelmutanten, insbesondere von rpn8appi2, weisen deutlich differenziertere Membranstrukturen als Plastiden von ppi2 auf. Dies zeigt sich in
der erhöhten Anzahl an Granathylakoiden im Vergleich zu ppi2 [8]. Dargestellt ist ein Box-Plot zur Anzahl der Thylakoidstapel in den angezeigten Genotypen (n = 153 Plastiden, 459 Thylakoidstapel). Die schwarze Linie kennzeichnet den Median, i. e. ppi2 = 1, rpn8a ppi2 = 2, und pad1 ppi2 = 2. Abbildung
modifiziert nach [8].
etwa 2.500–3.000 plastidäre Proteine kerncodiert; diese werden im Cytosol translatiert
und posttranslational in die Plastiden importiert [2].
Kerncodierte plastidäre Proteine werden
als Vorläuferproteine im Cytosol translatiert.
Die meisten davon tragen eine N-terminale
Erkennungssequenz, das Transitpeptid, das
den Import über die Translokationskomplexe
der äußeren (TOC) und inneren (TIC) Chloroplastenhüllmembran ins Stroma vermittelt
[2]. Der Import von Vorläuferproteinen in
Plastiden ist essenziell für die Chloroplastenbiogenese. Ein Defekt im plastidären Proteinimport, wie z. B. in der plastid protein
import 2(ppi2)-Mutante, resultiert in einem
albinotischen Phänotyp, in dem die Chloroplastenbiogenese gestört ist und die Plastiden in einem proplastidenähnlichen Stadium
verbleiben [3, 4].
Das Ubiquitin-Proteasom-System
(UPS) und die Chloroplastenbiogenese
Für die gezielte Degradation von Proteinen
im Cytosol und im Zellkern werden diese
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durch kovalente Bindung von Ubiquitin
markiert und von einem multikatalytischen
Enzymkomplex, dem 26S-Proteasom, degradiert. Dieses Degradationssystem wird auch
als Ubiquitin-Proteasom-System (UPS)
bezeichnet. Der 26S-Proteasomkomplex
besteht aus zwei kleineren Proteinkom-
plexen, einer 700-kDa-Einheit, die nach
ihrem Sedimentationskoeffizient 20S-Proteasom oder 20S catalytic particle (CP)
be nannt ist und einer ebenfalls etwa
700-kDa-Einheit eines ATPase regulatorischen Komplexes (PA700), auch 19S regulatory particle (RP) genannt, der an einem oder
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˚ Abb. 3: Die Interaktionen plastidärer Vorläuferproteine im Cytosol. Veränderungen im Gleichgewicht zwischen den konkurrierenden Prozessen Vorläuferimport und -degradation können
durch posttranslationale Modifikationen sowie Änderungen der Proteasomaktivität eingeleitet
werden. Akkumulierende Vorläufer können Einfluss auf die Signalprozesse zwischen Plastid und
Zellkern nehmen und damit eine Veränderung photosynthetischer Parameter induzieren [9]. Die
funktionelle Interaktion von Proteinimport und -abbau ist im unteren Abbildungsteil phänotypisch
illustriert. Abbildung modifiziert nach [9].
beiden Enden mit dem 20S CP assoziiert
sein kann [5, 6].
In höheren Pflanzen konnte kürzlich ein
direkter Einfluss des Proteasoms auf das Proteinimportsystem und damit auf die Chloroplastenbiogenese identifiziert werden. Zum
Beispiel steuert die DELLA-Protein-vermittelte Degradation von Toc159 die Regulation
der Chloroplastenbiogenese in einer frühen
Entwicklungsphase [7]. Ein neu entdeckter
Proteindegradationsweg ist mit Chloroplasten assoziiert und wird deshalb als
CHLORAD (chloroplast-associated protein
degratation) bezeichnet. Hier vermitteln drei
Proteine (SP1, SP2 und CDC48) die Ubiquitinierung und Retrotranslokation von TOCKomponenten und deren Abbau über das
UPS. CHLORAD hat möglicherweise eine
Funktion bei der Reorganisation der Importmaschinerie der äußeren Hüllmembran, um
die dynamische Regulation des Chloroplastenproteoms unter Stressbedingungen
oder bei Entwicklungsprozessen zu ermöglichen [2].
Die Proteasom-vermittelte Vorläuferdegradierung beeinflusst die
Photosyntheseleistung
In unseren Arbeiten haben wir einen bisher
unbekannten Mechanismus für die proteasomale Kontrolle plastidärer Prozesse identifiziert. Wir konnten zeigen, dass eine leichte
Veränderung der Proteasomaktivität zu einer
verbesserten Photosyntheseleistung im
Modellorganismus Arabidopsis thaliana
führt. Zunächst haben wir Pflanzenlinien mit
Mutationen im 19S RP des Proteasoms identifiziert und den Effekt auf die Proteasomabundanz sowie die proteolytische Aktivität
untersucht (Abb. 1). Eine Mutation in der
19S-RP-Untereinheit non-ATPase subunit 8a
(Rpn8a) führt zu einer signifikanten Erhöhung der 20S-Untereinheit, die vermutlich
kompensatorische Funktion besitzt. So ist die
proteolytische Gesamtaktivität trotz einer
signifikanten Verringerung der 19S-Untereinheit nicht verändert [8]. Untersuchungen
auf Transkriptebene zeigten dennoch klare
Anzeichen für proteolytischen Stress in den
rpn8a-Mutanten, denn die Expressi (...truncated)