Spezifische Membrankontaktstellen bei Pflanzen: wer mit wem, warum und wie
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Organellinteraktionen
Spezifische Membrankontaktstellen bei
Pflanzen: wer mit wem, warum und wie
ANNA-LENA FALZ 1, STEFANIE J. MÜLLER-SCHÜSSELE 2
1 INRES, UNIVERSITÄT BONN
2 FACHBEREICH BIOLOGIE, TU KAISERSLAUTERN
Cellular membranes can serve as barriers between subcellular compartments, but they can also interact to form dynamically regulated
membrane contact sites between a specific pair of organelles. Focussing on plants, this article discusses local redox environments and the
current knowledge on membrane contact sites as examples for the
dividing and connecting functions of membranes, respectively.
DOI: 10.1007/s12268-021-1669-2
© Die Autorinnen 2021
ó Zellkompartimente ermöglichen es Zellen, biochemische Funktionen und Umgebungen zu trennen, sodass eine Zelle als
System funktionieren kann. Diese räumliche
Unterteilung garantiert die relative Unabhängigkeit von Kompartimenten, z. B. bei
lokalen Redoxpotenzialen. Sie schafft aber
auch die Notwendigkeit des spezifischen
Austauschs von Proteinen, Metaboliten und
Informationen zwischen den Kompartimenten. Hierbei kann es zu dynamisch regulierten direkten Interaktionen zwischen Membranen verschiedener Kompartimente kommen. In den vergangenen Jahren hat die
Forschung zu spezifischen Membrankontaktstellen an Dynamik gewonnen. Vor allem in
Hefe und tierischen Modellen ist schon viel
darüber bekannt, wie und warum verschiedene Organellen miteinander interagieren,
indem sich ihre Membranen einander annähern und miteinander verknüpfen. Auch in
Pflanzen spielen Membrankontaktstellen
vermutlich wichtige Rollen für verschiedene
zelluläre Prozesse.
ponenten, die für die spezifischen Funktionen der Organellen verantwortlich ist.
Ein einzelnes Organell ist somit als individuelle Funktionseinheit zu betrachten.
Techniken, wie die quantitative Massenspektrometrie, erlauben es uns mittlerweile, funktionelle Überlegungen zu Einzelorganellen
anzustellen, wie z. B. für ein repräsentatives
Mitochondrium der Modellpflanze Arabidopsis thaliana (siehe auch Artikel auf S. 715
in dieser Ausgabe) [1].
Innerhalb eines Kompartiments herrscht
aus mehreren Gründen außerdem eine ganz
spezifische Redoxumgebung vor. Zum einen
weist ein Kompartiment eine individuelle
A
Ausstattung an redoxaktiven Proteinen auf,
sodass die Flüsse von Elektronen durch
Redoxkaskaden stark von den vorhandenen
Interaktionspartnern abhängen. Diese lokalen Redoxnetzwerke dienen der metabolischen Kontrolle, dem Abfangen (scavenging)
reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) sowie der
Reparatur von ROS-induzierten Schäden. Die
Kapazitäten dieser Redoxnetzwerke können
zwischen Geweben, Entwicklungsstadien
und Spezies variieren. Hierbei unterliegen
sie auch der evolutionären Anpassung an
neue Lebensräume und Stressfaktoren, was
z. B. bei der Landpflanzenevolution eine
Rolle gespielt haben könnte [2].
Zum anderen sind Membranen bis auf
wenige Ausnahmen auch eine Barriere für
die oxidierte Form des zellulären Redoxpuffers Glutathion, Glutathiondisulfid (GSSG).
Das bedeutet, dass in einem Kompartiment
produziertes GSSG größtenteils dort verbleibt und entweder lokal wieder durch das
Enzym Glutathionreduktase reduziert wird
oder sich das Glutathionredoxpotenzial
(EGSH) lokal ändert. Diese lokal begrenzten
Änderungen können in Pflanzen mit fehlenden Isoformen der Glutathionreduktase
beobachtet werden (Abb. 1, [3, 4]). Grundsätzlich ist es aber auch möglich, dass die
lokalen Kapazitäten der Glutathionregenera-
B
Zusammen und doch getrennt
Intrazelluläre Membransysteme funktionieren als Diffusionsbarriere für gelöste Stoffe.
Metabolite werden selektiv (aktiv oder passiv) durch Membranen transportiert und
Proteine durch komplexe Importsysteme an
ihren Bestimmungsort verfrachtet. Somit entsteht in jedem Zellkompartiment eine einzigartige Zusammensetzung aus ReaktionskomBIOspektrum | 07.21 | 27. Jahrgang
˚ Abb. 1: Kompartimente können lokale Reaktionsbedingungen schaffen, aber auch untereinander interagieren. A, Der Oxidationsgrad (OxD) von Grx1-roGFP2 zeigt unterschiedliche Glutathionredoxpotenziale im Cytosol und den Chloroplasten von Mooszellen (Physcomitrium patens) an,
denen eine stromale Glutathionreduktase fehlt. Größenbalken: 10 μm. B, Durch Fluoreszenzmarkierung der (äußeren) Membran sind enge Assoziationen zwischen Organellen zu beobachten
(hier Chloroplasten und Peroxisomen). Größenbalken: 1 μm.
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W I S S EN S CH AFT
˚ Abb. 2: Membrankontaktstellen werden von Protein-Ankern (tether) zusammengehalten, wie
z. B. von dem ER-PM tether SYT1 in Arabidopsis thaliana. Es gibt Hinweise darauf, dass auch
substrate channeling zwischen Organellen stattfinden könnte. Plastiden können Galaktolipide
(Bestandteile der plastidären Biomembranen) zu Mitochondrien transferieren; hier kennt man
einen Teil der involvierten Proteine auf mitochondrieller Seite [12].
tion unter bestimmten Stressbedingungen
überschritten werden, z. B. durch massive
herbizidinduzierte ROS-Produktion in Chloroplasten. In diesem Fall kann eine Änderung des Redoxstatus in einem Kompartiment auch auf andere übergreifen, wie die
zeitgleiche Beobachtung mittels genetisch
codierter Redoxsensoren [5] im Chloroplastenstroma und Cytosol gezeigt hat [6].
Durch die Notwendigkeit, sich schnell an
unterschiedliche Lichtbedingungen anpassen zu können, ist der Metabolismus von
Pflanzen sehr variabel und dynamisch reguliert. Das Gleiche gilt auch für die Form und
Position der Kompartimente sowie deren
Interaktion miteinander. Zellkompartimente
können miteinander interagieren, und zwar
nicht nur auf der Ebene von Ionen-, Metabolit- und Proteinaustausch mit dem Cytosol,
sondern auch durch Assoziation über spezifisch gebildete Membrankontaktstellen.
Diese Interaktionsplattformen basieren auf
transienten physischen Verbindungen aus
Proteinbrücken zwischen verschiedenen
Organellmembranen (ohne Membranfusion).
Direkte heterotypische Interaktionen zwischen Organellen wurden funktionell erstmals in der Bäckerhefe zwischen Mitochondrien und dem endoplasmatischen Retikulum (ER) nachgewiesen. Seitdem expandiert
das Forschungsfeld zu Membrankontaktstellen stetig [7].
Auch bei Pflanzen stellt sich die grundlegende Frage, inwieweit die räumliche Organisation die molekularen Zusammenhänge
in einer Zelle widerspiegelt und unterstützt.
Besonderes Augenmerk liegt hier auf der
Aufklärung, von welcher Natur der Informationstransfer zwischen bestimmten Organellpaaren ist, welche Prozesse des Metabolis-
mus oder der Signalweiterleitung von Membrankontaktstellen abhängen – und in welchem Umfang.
Membrankontaktstellen: spezifische
Interaktion zwischen Organellen
Spezifische Kontaktstellen zwischen subzellulären Kompartimenten könnten mehrere
Vorteile bieten. Sie könnten den Austausch
von verschiedenen Arten von Molekülen,
z. B. Lipiden oder reaktiven Sauerstoffspezies, erleichtern. Des Weiteren könnten sie
auch die Organellpositionierung in der Zelle
beeinflussen oder positionelle Informationen
für Prozesse liefern, wie z. B. mitochondrielle Teilung oder Fusio (...truncated)