Das grüne Shuttle – Vesikeltransport im Chloroplasten
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Annabel Mechela
Jahrgang 1991. 2010–2018 Studium der Biologie und Kommunikationswissenschaft an der LMU
München. Seit 2018 Promotion
im Fachbereich Pflanzenbiochemie in der Gruppe von Prof. Dr. J.
Soll, LMU München.
ISE-G-Preis 2018
Das grüne Shuttle – Vesikeltransport
im Chloroplasten
ANNABEL MECHELA
DEPARTMENT BIOLOGIE I – PFLANZENWISSENSCHAFTEN, BIOZENTRUM DER
LMU MÜNCHEN, PLANEGG-MARTINSRIED
DOI: 10.1007/s12268-019-1009-y
© Springer-Verlag 2019
ó Chloroplasten sind durch primäre Endosymbiose entstanden, indem ein Vorfahre
heutiger photosynthetischer Cyanobakterien
von einer eukaryotischen Zelle aufgenommen
wurde. Durch massiven Gentransfer in den
Wirtskern wurde aus dem Endosymbionten
über die Zeit ein zelluläres Organell. Aufgrund
ihrer Abstammung von einem Gram-negativen Prokaryoten sind Plastiden von zwei Hüllmembranen umgeben. Außerdem befinden
sich im Inneren der Chloroplasten die Thylakoide als ein weiteres komplexes Membransystem [1]. Die Thylakoidmembran ist eine
dynamische, anpassungsfähige und spezialisierte Biomembran. In diese eingebettet sind
hochmolekulare Proteinkomplexe, welche die
lichtabhängigen Reaktionen der Photosynthese ermöglichen. Jedoch ist bislang nicht
klar, welche Faktoren an der Entstehung der
A
B
Thylakoidmembran beteiligt sind und wie dieser Vorgang initiiert und reguliert wird.
Da sowohl Lipide an der inneren Hüllmembran gebildet werden als auch die meisten plastidären Proteine über diese Membran in den
Chloroplasten eintreten, scheint eine Verbindung der Hüllmembran mit der entstehenden
Thylakoidmembran sinnvoll. Häufige Beobachtungen von vesikulären Strukturen legen
die Vermutung nahe, dass ein Vesikeltransportsystem, ähnlich wie es im Endomembransystem der Zelle vorzufinden ist, dafür
verantwortlich ist [2]. Evolutionär gesehen
besitzen nur Embryophyten (Moose, Farnartige, Samenpflanzen) ein solches Vesikelsystem,
Cyanobakterien und Algen hingegen nicht.
Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass das
plastidäre Vesikelsystem eukaryotischen
Ursprungs ist und in das Organell übertragen
wurde. Interessanterweise entwickelten sich
Embryophyten gleichzeitig mit dem schwierigen Übergang zu einem Leben außerhalb des
C
Wassers. Die Besiedelung dieses neuen Habitats erforderte enorme Anpassungen und könnte daher einer der Gründe für die Etablierung
eines Vesikeltransportsystems sein [3].
Eines der mutmaßlich in den plastidären
Vesikeltransport involvierten Proteine ist das
SNARE-assoziierte Protein (SNARE AP) aus
Arabidopsis thaliana. SNARE AP wurde als
ein Protein mit vorhergesagtem Transitpeptid
sowie mit Sequenzähnlichkeiten zu Tvp38 in
Hefe und DedA in Bakterien identifiziert [4].
Proteine der Tvp38/DedA-Familie spielen in
Bakterien eine Rolle bei der Membranorganisation, der Stabilisierung, dem Transport
und der Fusion innerhalb der Zelle [5]. Basierend darauf wird angenommen, dass SNARE
AP die Komplexformation der SNARE-Proteine bei der Vesikelfusion an der Thylakoidmembran unterstützt.
Bisher konnte unsere Arbeitsgruppe zeigen, dass SNARE AP tatsächlich in den Thylakoiden lokalisiert ist. Der Verlust des Proteins in Mutanten führt zu einem blassgrünen Phänotyp der Blätter mit geringerer
photosynthetischer Aktivität sowie einer
abnormen Thylakoidstruktur. Da es bisher
allerdings keinen experimentellen Beweis für
die Existenz von SNARE-Proteinen in der Thylakoidmembran gibt, bleibt die weitere Suche
nach der Funktion von SNARE AP für den
Chloroplasten spannend.
ó
Literatur
˚ Abb. 1: Plastidäre Vesikel als möglicher Transportweg durch das Stroma. Viele der benötigten
Bausteine für die Thylakoide werden an der inneren Hüllmembran (IE) synthetisiert oder müssen
aus dem Cytosol über beide Hüllmembranen (OE [äußere] und IE) importiert werden. Eine Hypothese, wie hydrophobe Komponenten das wässrige Stroma durchqueren könnten, bildet der plastidäre Vesikeltransport. Bisher wurden nur wenige Proteine als potenzielle Funktionsträger dieses
Prozesses experimentell verifiziert. Neben SNARE AP, welches zusammen mit SNARE-Proteinen
bei der Vesikelfusion an der Thyalkoidmembran beteiligt sein könnte, wird vermutet, dass kleine
GTPasen wie cpSAR1 und cpRab Abschnürungs- und Andockprozesse der plastidären Vesikel
regulieren könnten. A, elektronenmikroskopische Aufnahme sich akkumulierender Vesikel im
Stroma. B, Schema über den plastidären Vesikeltransport. C, vermutete Lokalisierung von
cpSAR1, cpRab, SNAREs und SNARE AP als potenzielle Regulatoren.
BIOspektrum | 01.19 | 25. Jahrgang
[1] Gould SB, Waller RF, McFadden GI (2008) Plastid evolution. Annu Rev Plant Biol 59:491–517
[2] Westphal S, Soll J, Vothknecht UC (2001) A vesicle transport system inside chloroplasts. FEBS Lett 506:257–261
[3] Westphal S, Soll J, Vothknecht UC (2003) Evolution of
chloroplast vesicle transport. Plant Cell Physiol 44:217–222
[4] Khan NZ, Lindquist E, Aronsson H (2013) New putative
chloroplast vesicle transport components and cargo proteins
revealed using a bioinformatics approach: an Arabidopsis
model. PLoS One 8:e59898
[5] Keller R, Schneider D (2013) Homologs of the yeast Tvp38
vesicle-associated protein are conserved in chloroplasts and
cyanobacteria. Front Plant Sci 4:467
Korrespondenzadresse:
Annabel Mechela
Department Biologie I – Pflanzenwissenschaften
Biozentrum der LMU München
Großhaderner Straße 2–4
D-82152 Planegg-Martinsried
Tel.: 089-2180-74767
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